Epilepsie beim Hund - Anzeichen, Erste Hilfe und Behandlung

Hund liegt ruhig auf einer Decke in der Tierarztpraxis während der Untersuchung
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels
Kurz gesagt

Epilepsie beim Hund ist eine neurologische Störung mit wiederkehrenden Krampfanfällen. Während eines Anfalls kann der Hund umfallen, steif werden, zucken, speicheln und die Blasenkontrolle verlieren - das dauert meist von einigen Dutzend Sekunden bis zu 2-3 Minuten. Steck deinem Hund während des Anfalls nichts ins Maul, sichere die Umgebung und notiere die Dauer. Jeder erste Anfall, ein Anfall über 5 Minuten oder eine Anfallsserie sind ein Notfall - fahr in die Tierarztpraxis. Epilepsie diagnostiziert und behandelt ausschließlich eine Tierärztin oder ein Tierarzt.

Der Anblick eines Hundes, der plötzlich umfällt, steif wird und zu zucken beginnt, gehört zum Erschreckendsten, was du als Hundehalter erleben kannst. Epilepsie beim Hund sieht dramatisch aus, in den meisten Fällen lässt sie sich aber kontrollieren, und der Anfall selbst schadet dem Hund in diesen paar Minuten trotz des Schreckens meist nicht. Am wichtigsten ist zu wissen, was du im Moment des Anfalls tust, was du lässt - und wann die Lage sofortige tierärztliche Hilfe braucht.

Was ist Epilepsie beim Hund?

Epilepsie ist eine Störung der Gehirnfunktion, bei der es zu plötzlichen, unkontrollierten elektrischen Entladungen zwischen Nervenzellen kommt. Das Ergebnis ist ein Anfall - meist in Form von Krämpfen, aber nicht immer. Sie ist die häufigste chronische neurologische Erkrankung bei Hunden.

Wichtig ist die Unterscheidung zweier Dinge: ein einzelner Anfall (der viele Ursachen haben kann) und Epilepsie, also die Neigung zu wiederkehrenden Anfällen. Von Epilepsie spricht man, wenn sich die Anfälle wiederholen. Diagnose und Einordnung gehören immer in die Tierarztpraxis, meist in die Neurologie - dieser Artikel soll dir helfen zu verstehen, was passiert, und ersetzt keine Diagnose.

Wie sieht ein epileptischer Anfall beim Hund aus?

Am bekanntesten ist der generalisierte Anfall (Grand Mal), aber Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen. Das sind die typischen Anzeichen, die du erkennen können solltest:

Phase / Typ Was du siehst
Vorphase (Aura) Unruhe, Anklammern an den Halter, Verstecken, Speicheln - Minuten vor dem Anfall
Generalisierter Anfall Umfallen, Versteifen des Körpers, Zucken der Gliedmaßen, "Schwimmbewegungen" der Pfoten
Zusätzliche Anzeichen Speichelfluss, Kiefersperre, Absetzen von Urin oder Kot, Lautäußerungen
Fokaler (partieller) Anfall Zucken eines Körperteils, seltsames Kauen, "Fliegenschnappen", Starren
Nachphase Desorientierung, unsicherer Gang, vorübergehende Blindheit, Hunger oder Erschöpfung - Minuten bis Stunden

Während eines generalisierten Anfalls verliert der Hund das Bewusstsein - er "leidet" nicht so, wie es sich ein erschrockener Beobachter vorstellt, und er verschluckt seine Zunge nicht (das ist ein Mythos). Deine Aufgabe ist nicht, den Anfall zu unterbrechen, sondern dafür zu sorgen, dass dein Hund sich nicht verletzt.

Erste Hilfe während eines Anfalls - Schritt für Schritt

Ein umfassenderes Set an Abläufen findest du im Ratgeber zur Ersten Hilfe für Hunde.

Das ist der wichtigste Teil, also präge ihn dir ein, bevor du ihn brauchst:

  1. Bleib ruhig und schau auf die Uhr. Wirf einen Blick auf die Uhrzeit oder starte die Stoppuhr am Handy. Die Dauer des Anfalls ist eine Schlüsselinformation für die Tierarztpraxis.
  2. Sichere die Umgebung. Räum Möbel, Treppen und scharfe Gegenstände weg. Ist dein Hund nah an einer Kante (Treppe, Sofa), leg vorsichtig etwas Weiches unter, damit er nicht stürzt.
  3. Steck deinem Hund nichts ins Maul. Weder Hände noch Gegenstände - in diesem Zustand kann er unbewusst zubeißen, und das "Zunge retten" ist ein schädlicher Mythos.
  4. Halte deinen Hund nicht mit Gewalt fest. Du kannst den Kopf sanft vor Stößen schützen, aber schränk seine Bewegungen nicht ein.
  5. Mach es ruhig. Dimm das Licht, schalte den Fernseher aus, halte andere Tiere und Kinder fern.
  6. Wenn möglich - film den Anfall. Ein Handyvideo ist für die Tierarztpraxis unbezahlbar, denn Anfälle sieht die Ärztin selten mit eigenen Augen.
  7. Bleib nach dem Anfall in der Nähe. Sprich ruhig, sorg für Stille, biete Wasser an, sobald dein Hund wieder ganz klar ist. Füttere nicht mit Zwang.

Wann du sofort in die Tierarztpraxis musst

Das sind die Situationen, in denen man nicht bis zum Morgen wartet - fahr sofort:

  • Der erste Anfall im Leben deines Hundes - die Ursache muss immer abgeklärt werden.
  • Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert (Status epilepticus) - das ist lebensbedrohlich.
  • Mehrere Anfälle innerhalb eines Tages ohne vollständiges Aufwachen dazwischen (Cluster-Anfälle).
  • Ein Anfall mit hohem Fieber, Atemnot oder wenn dein Hund das Bewusstsein nicht wiedererlangt.
  • Verdacht auf Vergiftung - wenn dein Hund etwas gefressen haben könnte, sag es sofort.

In den übrigen Fällen - ein einzelner, kurzer Anfall bei einem Hund mit bereits diagnostizierter Epilepsie - vereinbare einen Kontrolltermin und führ ein Anfallstagebuch, akut ist die Lage dann meist nicht. Wenn du unsicher bist, ruf trotzdem immer in deiner Praxis an. Es lohnt sich, die Nummer einer Notfallpraxis gut sichtbar zu notieren, wie wir im Artikel zur Ersten Hilfe für Hunde ausführlicher beschreiben.

Ursachen von Epilepsie beim Hund

Ein Teil der Anfälle hat toxische Ursachen - es lohnt sich, die Liste der für Hunde gefährlichen Lebensmittel zu kennen.

Die Tierarztpraxis wird klären wollen, mit welchem Typ von Epilepsie sie es zu tun hat, denn davon hängt die Behandlung ab:

  • Idiopathische Epilepsie - die häufigste, ohne fassbare Veränderung im Gehirn, oft mit genetischem Hintergrund. Sie zeigt sich meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr. Prädisponiert sind unter anderem Deutsche Schäferhunde, Beagle, Labradore, Golden Retriever, Irish Setter und Siberian Huskys.
  • Strukturelle (symptomatische) Epilepsie - die Anfälle sind Folge einer konkreten Veränderung: eines Tumors, einer durchgemachten Verletzung, einer Gehirnentzündung, einer Fehlbildung.
  • Reaktive Anfälle - ausgelöst durch einen Faktor außerhalb des Gehirns: Vergiftung (unter anderem mit Xylit, Schokolade, bestimmten Pflanzen), niedrigem Blutzucker, Leber- oder Nierenerkrankung, Elektrolytstörungen.

Die Unterscheidung erfordert Untersuchungen - Blutbild, manchmal MRT oder eine Untersuchung des Nervenwassers. Deshalb ist eine genaue Beschreibung der Anfälle (wann, wie lange, wie sie aussahen, was ihnen vorausging) für die Ärztin Gold wert.

Wie die Behandlung und der Alltag mit einem epileptischen Hund aussehen

Die Behandlung der idiopathischen Epilepsie stützt sich auf Antiepileptika, die die Krankheit nicht heilen, aber Häufigkeit und Schwere der Anfälle verringern. Die wichtigsten Regeln:

  • Medikamente wählt und dosiert ausschließlich die Tierarztpraxis - oft ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutspiegels nötig.
  • Setz Medikamente nie abrupt oder eigenmächtig ab - das kann einen schweren Anfall auslösen.
  • Führ ein Anfallstagebuch - Datum, Uhrzeit, Dauer, Umstände. Das ist das beste Werkzeug, um zu beurteilen, ob die Behandlung wirkt.
  • Achte auf Regelmäßigkeit - feste Zeiten für Medikamente und Mahlzeiten, kein plötzlicher Stress, keine Überhitzung, keine extreme Erschöpfung.

Viele Hunde mit gut kontrollierter Epilepsie leben lange, aktiv und glücklich. Bewegung und Spaziergänge sind absolut erwünscht - du solltest nur Situationen meiden, die deinen Hund übermäßig überhitzen oder erschöpfen, und immer dein Handy dabeihaben.

Fazit

Epilepsie beim Hund klingt bedrohlich, wird mit dem richtigen Wissen und tierärztlicher Begleitung aber zu einer Erkrankung, mit der sich normal leben lässt. Lern, wie du während eines Anfalls reagierst, notiere die Nummer einer Notfallpraxis und führ ein Anfallstagebuch. Denk daran: Dieser Text hilft dir, das Problem zu verstehen, aber Diagnose und Behandlung führt immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt - kein Ratschlag aus dem Internet ersetzt das.

Quellen

Häufige Fragen

Was tun, wenn der Hund einen epileptischen Anfall hat?
Bleib ruhig, räum Gegenstände weg, an denen er sich verletzen könnte, dimme das Licht und mach es leise. Steck ihm nichts ins Maul und halte ihn nicht mit Gewalt fest. Notiere Beginn und Dauer des Anfalls und filme ihn wenn möglich mit dem Handy für die Tierarztpraxis. Nach dem Anfall sorg für Ruhe und bleib in seiner Nähe.
Wie lange dauert ein epileptischer Anfall beim Hund?
Ein typischer Anfall dauert von einigen Dutzend Sekunden bis zu 2-3 Minuten. Ein Anfall, der länger als 5 Minuten dauert, oder mehrere Anfälle hintereinander ohne vollständiges Aufwachen sind lebensbedrohlich (Status epilepticus) - dann fahr sofort in die Praxis, ohne zu warten.
Welche Ursachen hat Epilepsie beim Hund?
Man unterscheidet die idiopathische Epilepsie (ohne fassbare Ursache, oft erblich, zeigt sich meist zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 6. Lebensjahr) und die symptomatische Epilepsie, die aus einem anderen Problem folgt - Tumor, Verletzung, Vergiftung, Lebererkrankung oder Stoffwechselstörung. Die Ursache zu klären erfordert Untersuchungen in der Tierarztpraxis.
Ist Epilepsie beim Hund heilbar?
Idiopathische Epilepsie lässt sich meist nicht vollständig heilen, bei den meisten Hunden aber mit Medikamenten gut kontrollieren, sodass Anfälle selten und mild bleiben. Symptomatische Epilepsie verschwindet manchmal, wenn die Ursache beseitigt ist. Die Behandlung führt immer die Tierarztpraxis - setz Medikamente niemals eigenmächtig ab.
Kann ein Hund während eines Anfalls sterben?
Ein einzelner, kurzer Anfall ist selten direkt lebensbedrohlich. Gefährlich sind der Status epilepticus (Anfall über 5 Minuten oder eine Anfallsserie) sowie Überhitzung und Erschöpfung bei langen Anfällen. Deshalb ist ein anhaltender oder sich wiederholender Anfall ein zwingender Grund für einen sofortigen Besuch.
Darf man einem Hund mit Epilepsie Humanmedikamente geben?
Gib deinem Hund niemals Antiepileptika für Menschen oder irgendwelche Medikamente auf eigene Faust - Dosierungen und Wirkstoffe unterscheiden sich von dem, was für Hunde sicher ist, und ein Fehler kann tödlich sein. Medikamente und ihre Dosierung legt ausschließlich die Tierarztpraxis auf Basis von Untersuchungen fest.