Mit Welpen spazieren gehen - wann anfangen, wie lange und worauf achten

Kleiner Welpe beim ersten Spaziergang im Gras neben seiner Halterin
Foto: Abhishek Biradar / Pexels
Kurz gesagt

Der erste Spaziergang an öffentlichen Orten ist möglich, wenn die Grundimmunisierung abgeschlossen ist und die 1-2 Wochen vergangen sind, die der Aufbau des Impfschutzes braucht - den Termin klärst du mit der Tierärztin oder dem Tierarzt. Vorher kannst du deinen Welpen tragen oder nur an sichere, bekannte Orte gehen. Die Länge der Spaziergänge steigerst du langsam: Eine verbreitete Faustregel sind 5 Minuten pro Lebensmonat, zweimal täglich - nimm sie als Ausgangspunkt, nicht als starre Vorschrift.

Ein neuer Welpe zu Hause, die ersten Tage der Eingewöhnung - und schnell kommt die Frage auf: Wann können wir eigentlich auf einen richtigen Spaziergang? Eine gute Frage, denn die Antwort ist gar nicht so eindeutig, wie es scheinen mag. Zwei wichtige Aspekte - Gesundheitsschutz und Sozialisierungsfenster - arbeiten ein wenig gegeneinander, deshalb lohnt es sich, beide zu verstehen.

Wann darf der Welpe zum ersten Mal raus?

In Polen bekommen Welpen die Grundimmunisierung meist um die 6. bis 8. Lebenswoche (erste Dosis) und die 10. bis 12. Woche (Auffrischung). Der volle Schutz baut sich etwa 1-2 Wochen nach der letzten Impfung auf - der genaue Zeitpunkt hängt vom Hersteller des Impfstoffs und vom verwendeten Schema ab.

Das heißt: Sichere Spaziergänge an öffentlichen Orten, wo fremde Hunde unterwegs sind, sind frühestens um die 12. bis 16. Lebenswoche möglich. Klär diesen Termin individuell mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt - nur sie kennen die Impfgeschichte deines Hundes und die lokale Lage.

Was tun, bevor die Impfungen abgeschlossen sind?

Auf die Impfungen zu warten heißt nicht, zu Hause zu sitzen. Du kannst:

  • Deinen Welpen auf dem Arm tragen - er sammelt Eindrücke (Geräusche, Gerüche, Straßenverkehr, Menschenmengen), ohne Kontakt zum Boden.
  • In den Garten oder auf den Balkon gehen - wenn das Gelände privat ist und dort zuletzt keine fremden Hunde waren.
  • Geimpfte, gesunde Hunde nach Hause einladen - sichere Sozialisierung in kontrollierter Umgebung.

Das Sozialisierungsfenster - warte nicht zu lange

Welpen haben ein sogenanntes Sozialisierungsfenster, das ungefähr bis zur 12. bis 16. Lebenswoche dauert. In dieser Zeit ist das Gehirn außergewöhnlich aufnahmefähig - die Erfahrungen aus dieser Phase prägen dauerhaft, wie dein Hund sein Leben lang auf Reize reagiert.

Genau deshalb solltest du mit allen Eindrücken nicht bis zum letzten Tag nach den Impfungen warten. Deinen Welpen an öffentliche Orte tragen, ihn an Geräusche und Anblicke gewöhnen, Kontakt zu freundlichen Hunden von Leuten, die ihr kennt - das alles ist wertvolle Arbeit im Sozialisierungsfenster, auch ohne vollständiges Impfprogramm. Mehr dazu, warum diese Phase so wichtig ist, liest du im Artikel über die Sozialisierung des Hundes.

Wie lange mit dem Welpen spazieren gehen?

Hier taucht am häufigsten die Faustregel „5 Minuten pro Lebensmonat, zweimal täglich“ auf. Nimm sie als groben Ausgangspunkt, nicht als starre Regel. Sie stammt vom British Kennel Club und wird viel zitiert, aber kein Hund weiß, dass er seine 20 Minuten schon hatte.

Alter des Welpen Ungefähre Dauer eines Spaziergangs
2 Monate (8 Wochen) Bis zu 10 Minuten (wenn hygienisch sicher)
3 Monate Etwa 15 Minuten
4 Monate Etwa 20 Minuten
5 Monate Etwa 25 Minuten
6 Monate Etwa 30 Minuten

Beobachte deinen Hund: Wenn er sich setzt, langsamer wird, deutlich Schatten sucht oder nicht mehr weitergehen will - das ist ein besseres Signal zum Beenden als die Uhr.

Wachstumsfugen - warum das wichtig ist

Die langen Knochen eines Welpen enden in Knorpel, der sogenannten Wachstumsfuge. Das ist eine aktive Wachstumszone, die noch nicht vollständig verknöchert ist. Je nach Rasse schließen sich die Wachstumsfugen zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat - bei großen und Riesenrassen sogar später.

Eine Überlastung der Gelenke davor kann zu dauerhaften orthopädischen Problemen führen. In der Praxis heißt das:

  • Vermeide langes Laufen auf hartem Untergrund (Beton, Asphalt).
  • Zwing ihn nicht zum Springen aus der Höhe oder über Hindernisse.
  • Vermeide sehr lange Distanzen - besonders bei großen Rassen.
  • Lauf nicht gemeinsam - Jogging neben dem Fahrrad oder mit einer Läuferin ist für einen kleinen Welpen zu viel Belastung.

Kurze, ruhige Spaziergänge mit viel Gelegenheit zum Schnüffeln sind deutlich sicherer als intensive Anstrengung.

Der erste Spaziergang draußen - wie machst du ihn?

Ruhig und ohne Druck. Ein paar Tipps:

  • Wähl einen ruhigen Ort - einen Park am Morgen, eine Seitenstraße, ein Gelände ohne viele Hunde auf einmal.
  • Lass deinen Welpen das Tempo bestimmen - er darf schnüffeln, stehen bleiben, gehen, wohin er will. Das ist kein Marsch, das ist eine Forschungsexpedition.
  • Zerr nicht an der Leine - wenn dein Welpe stehen bleibt, geh in die Hocke und lock ihn mit einem Leckerli. Das Training für das Gehen an lockerer Leine fängt genau jetzt an.
  • Geh zurück, bevor du das Gefühl hast, du müsstest - besser hört der Welpe hungrig auf Eindrücke auf als reizüberflutet.

Wie geht es weiter, wenn der Welpe größer wird?

Mit dem Alter und dem Schließen der Wachstumsfugen kannst du die Spaziergänge schrittweise verlängern, schwierigeres Gelände und intensivere Aktivität dazunehmen. Wie der Bewegungsbedarf je nach Rasse und Lebensphase aussieht, beschreiben wir im Artikel wie viele Spaziergänge ein Hund pro Tag braucht.


Die ersten Spaziergänge mit deinem Welpen sind das Fundament für Jahre. Sorg dafür, dass sie ruhig, reich an Eindrücken und an seine Entwicklungsphase angepasst sind. Wenn dein Welpe größer und bereit für mehr ist, lohnt es sich, ruhigere und hundefreundliche Orte zu suchen - einen Überblick findest du im Ratgeber wohin mit dem Hund. Die DOGOUT-Karte zeigt dir, was in der Nähe ist - und wer gerade mit seinem Hund unterwegs ist.

Häufige Fragen

Ab wann darf man mit einem Welpen spazieren gehen?
Der volle Schutz nach der Grundimmunisierung baut sich etwa 1-2 Wochen nach der letzten Dosis auf - meist zwischen der 12. und 16. Lebenswoche, je nach Impfkalender. Vorher kannst du deinen Welpen auf dem Arm tragen oder an sichere, kontrollierte Orte gehen. Wann Spaziergänge draußen sicher sind, klärst du individuell mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Wie lange sollte man mit einem Welpen spazieren gehen?
Eine beliebte Faustregel sind 5 Minuten aktives Gehen pro Lebensmonat, zweimal täglich. Mit 3 Monaten sind das etwa 15 Minuten, mit 5 Monaten rund 25 Minuten. Nimm das als groben Ausgangspunkt und beobachte deinen Hund: Wenn er sich setzt, langsamer wird oder Schatten sucht, ist es genug.
Darf ein Welpe beim Spaziergang rennen und springen?
Besser nicht, vor allem bei großen Rassen. Die Wachstumsfugen, also die Knorpel an den Knochenenden, sind noch nicht verknöchert - je nach Rasse schließen sie sich zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat. Eine Überlastung davor kann dauerhafte orthopädische Probleme verursachen.
Wie gewöhne ich meinen Welpen an öffentliche Orte, bevor die Impfungen abgeschlossen sind?
Du kannst ihn auf dem Arm oder in einer Tragetasche mitnehmen - so hat er keinen Kontakt zum Boden und sammelt trotzdem Eindrücke: Geräusche, Gerüche, den Anblick von Autos und Menschen. Das ist wertvolle Sozialisierung im sensiblen Fenster, ohne Gesundheitsrisiko.
Warum setzt sich mein Welpe hin und will nicht weiter?
Dafür gibt es mehrere Gründe: Müdigkeit (zu langer Spaziergang), Reizüberflutung (zu viel auf einmal), Angst vor einem neuen Reiz oder einfach ein spannender Geruch. Zieh deinen Welpen nicht an der Leine - geh in die Hocke, lock ihn mit einem Leckerli, gib ihm einen Moment. Wenn das öfter passiert, kürze die Spaziergänge.
Wie bringe ich meinem Welpen das Laufen an der Leine bei?
Fang damit an, ihn zu Hause an Geschirr oder Halsband zu gewöhnen, ohne Leine. Dann häng die Leine ein und lass deinen Welpen führen - nicht ziehen, nicht ruckartig bremsen. Belohne Schritte neben dir mit Leckerlis. Die lockere Leine ist das Ziel - mehr dazu im Artikel über das Gehen an lockerer Leine.